Seelsorgerin mit Hand und Herz
Wenn jemand der damaligen Wettinger Blauringleiterin gesagt hätte, sie würde einst in der Kirche arbeiten und mit Mann und Kindern im Pfarrhaus wohnen, hätte Katharina Jost nur gelacht.
Kreativ und praktisch
Eines ist Katharina Jost nicht: langsam. Weder beim Denken noch beim Arbeiten. Viel Zeit mit Sitzungen verbraten oder um den Brei herum reden ist nicht ihr Ding. Wenn die Gedanken fliessen und die Ideen sprudeln, aber auch, wenn Hartnäckigkeit gefragt ist, ist sie in ihrem Element. Projekte oder Aufgaben, die sie übernimmt, kommen zum Laufen. Sei es die «Chilbi bi de Chele» oder die Verantwortung für das Pfarreiblatt.
Ein grosser Arbeitsbereich ist der Religionsunterricht. Katharina Jost ist Vorgesetzte der Katechetinnen und Religionsassistentinnen und verantwortlich für Planung und Inhalte des «Reli i de Chile». Zu ihrer Arbeit mit Kindern gehören auch die Chenderfiire für Kinder im Vorschulalter und die 1x1-Kirche für schlaue Kinder, die noch schlauer werden wollen. Überhaupt hat sie gern mit Menschen zu tun. «In meinen Seelsorgeaufgaben wie Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen liebe ich es, wenn ich mit Menschen ins Leben eintauchen und Göttliches im Alltag entdecken kann.» Am christlichen Glauben fasziniert sie, dass Gott nicht in einer anderen Sphäre zuhause ist, sondern sich mit Haut und Haar auf uns Menschen und die Welt einlässt. Religiös sein bedeutet für sie, mit dem Göttlichen und miteinander verbunden sein. Deshalb ist ihr auch die Begleitung und Unterstützung von Menschen auf Augenhöhe wichtig.
Frauenpower von unten
Als Frau in der katholischen Kirche zu arbeiten, ist für Katharina Jost eine Herausforderung. In den neunziger Jahren war sie in Allschwil die erste Baselbieter Pfarreileiterin. Als neue Co-Präsidentin des Frauenbund Schweiz, zu dem auch die Hürntaler Frauengemeinschaften gehören, oder als Mitglied der Steuergruppe der Allianz Gleichwürdig Katholisch kann sie auch kämpferische Töne anschlagen. «Was mir Sorgen macht, ist der Zustand unserer Gesellschaft, die auf Werte wie Leistung, Macht und Besitz fixiert ist und auf religiöse Werte wie Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit glaubt verzichten zu können. Und dass sich die Kirche, die hier eigentlich etwas beizutragen hätte, mit veralteten Denkmustern und Strukturen nicht glaubwürdig in die Gesellschaft einbringen kann.» Das Hürntal kannte Katharina Jost als Aargauerin nicht. Seine offenen Menschen und die dadurch eröffneten Möglichkeiten in der Gestaltung von Kirchen und Gottesdiensten aber sind ihr längst ans Herz gewachsen.