, Espera

Porträt: Ubax Ibrahim aus Somalia

Sie bringt einen Hauch Afrika nach Dagmersellen

 

Vielen ist die strahlende Afrikanerin mit den farbigen Kopftüchern vom Sehen her bekannt. Man begegnet ihr im Dorf, beim Einkaufen, auf dem Bahnhof und im Alterszentrum Eiche, wo sie als Küchenhilfe arbeitet und sehr glücklich ist: «Ich hatte noch nie einen Chef, der so freundlich ist zu mir!», sagt sie.

 

Ubax Ibrahim ist in Somalia, am «Horn von Afrika», geboren. Ihre Augen beginnen zu funkeln, wenn sie erzählt, wie sie in ihrer Jugend zusammen mit dem Vater in seinen Plantagen Bananen, Mango und Soja anpflanzte. Aber dann kam dieser unsägliche Bürgerkrieg, der bis heute wütet. Da wurde es vor allem in der Hauptstadt Mogadischu, wo Ubax Ibrahim lebte, gefährlich. Besonders junge Frauen wurden verschleppt und misshandelt und ihre Väter, Brüder oder Männer, die sie schützen wollten, brutal ermordet. Dieses Risiko wollte Ubax Ibrahim nicht eingehen und floh 1994 in die Schweiz.

 

Zuerst lebte sie in Luzern und fand dann zusammen mit ihrem Mann Wohnung und Arbeit in Ebikon. Dort wurden auch ihre drei Kinder Fatima, Abdulrahman und Abdishukur geboren. Weil für die Kinder kein somalischer Pass beantragt werden konnte, waren sie bis zu ihrer Einbürgerung im Jahr 2012 staatenlos, was schon bei Schulausflügen ins nahe Ausland zu Problemen führte.

 

Seit 2004 lebt Ubax Ibrahim mit ihren Kindern in Dagmersellen. Hier fühlt sie sich sehr wohl. Noch nie habe sie jemand angepöbelt oder beschimpft. Die Leute seien sehr nett. Besonders gefalle ihr das «Café international», welches die Frauengemeinschaft regelmässig organisiert. Dort könne sie Schweizerinnen und Frauen aus anderen Ländern treffen und Kontakte knüpfen. Das hilft ihr, sich hier noch heimischer zu fühlen. «Ich bin nun schon so lange in der Schweiz und habe manchmal fast das Gefühl, ich sei hier geboren», sagt Ubax Ibrahim und lacht.

 

Doch eigentlich ist ihr im Moment nicht zum Lachen zu Mute. Vor ein paar Wochen ist ihre Mutter, die in London lebte, gestorben. Sie wurde krank und ist dann ziemlich schnell gestorben. Ubax Ibrahim konnte nicht zu ihrer Mutter reisen und von ihr Abschied nehmen. Ihr Status als «Vorläufig Aufgenommene» machte eine sofortige Reise nach London unmöglich. Das schmerzt sehr.

 

Ein grosser Wunsch dieser freundlichen, kraftvollen Frau ist es, das Schweizer Bürgerrecht zu bekommen, um ohne Probleme das Grab ihrer Mutter besuchen zu können. Und vor allem, weil sie hier bleiben will. Die Schweiz ist ihre Heimat geworden. Sie fühlt sich hier wohl, schätzt die Menschen und liebt Käsefondue über alles.

 

Noch einen Traum hat Ubax Ibrahim: Einmal in Dagmersellen, zusammen mit ihren Kindern, eine Imbissbude zu führen, wo es somalische Spezialitäten wie Sambus und Mufa gibt.